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Deutsche Waffen für die Welt

15. Feb 2026

Ein Planspiel

Von Harald Hellstern, Stuttgart

Mit dem Leitmotiv „Gegen den Strom der Gewalt“ fand vom 13. – 15. Februar 2026 die 24. Internationale Münchner Friedenskonferenz statt. Eine alternative Konferenz zur Münchner Sicherheitskonferenz (MSC). Die MSC ist im staatlichen Handeln oft von Machtpolitik, militärischer Logik und der Durchsetzung nationaler Interessen geprägt. Zentrale Aufgaben wie Friedenssicherung, Gewaltprävention, Dialog und Diplomatie sowie der Schutz der Bevölkerung werden vielfach vernachlässigt.

Für den Workshop 1, ein Planspiel zu „Rüstungsexporten aus Deutschland“, wurde die pax christi-Kommission Rüstungsexport der Deutschen Sektion eingeladen. In diesem interaktiven Planspiel zur Rüstungsexportkontrolle schlüpften die Teilnehmenden in unterschiedliche Rollen und erlebten hautnah, wie komplex und konfliktreich Genehmigungsverfahren für Waffenexporte sind.

Die fiktive Aufgabenbeschreibung lautete, dass ein deutscher Hersteller 10.000 Maschinengewehre an den NATO-Staat Türkei liefern möchte. Experten aus Politik, Industrie und Friedensbewegung gaben ihre Statements ab. Der Moderator und Spielleiter, Harald Hellstern, informierte über den Friedensauftrag im Grundgesetz, die Inhalte der EU-Verträge und dem UN Waffenhandelsvertrag ATT. Der Nationale Sicherheitsrat der Bundesregierung würde dann so eine kritische Anfrage entscheiden.

Im Planspiel wurde die Türkei von den Teilnehmern kritisch betrachtet. Es wurden die Menschenrechtsverletzungen und die Angriffe auf die Kurden in Syrien angesprochen, die Befürchtungen Griechenlands benannt und die Presse- und Religionsfreiheit eingefordert. 

Ein Kurzfilm des Bundesverbandes der dt. Sicherheits- und Verteidigungsindustrie erklärte, wie so eine Rüstungsexportanfrage aus Sicht der Industrie bearbeitet wird.

Die NATO-Mitgliedschaft, das Verhalten in der Flüchtlingsfrage und die Kontrollen der russischen Schiffe in der Bosporus-Meerenge sowie der Zugriff auf türkische Drohnen wurden als Argument für die Waffenlieferung angesprochen.

In einer letzten Runde wurden die Teilnehmer*innen zur Jury und mussten sich in einer weiteren Aussprache für oder gegen den Rüstungsexport an die Türkei entscheiden. Die Mehrheit der über 40 Teilnehmerinnen sprach sich gegen die Lieferungen aus. Die Minderheitsmeinungen wurden hierzu auch angehört.

Nach Meinung der Teilnehmerinnen, wurde das Ziel erreicht, einen Einblick in die demokratischen Entscheidungsprozesse bei Rüstungsexporten zu erhalten und diese besser zu verstehen, wenn in den Nachrichten darüber berichtet wird.

Scharf kritisiert wurde Bundeskanzler Merz mit der Aussage „Unter meiner Führung wird die Debatte um Waffenlieferungen, Kaliber, Waffensysteme und, und, und, … aus der Öffentlichkeit herausgenommen“.

Um das Planspiel abzurunden, wurde über die Aktionen der „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel“ informiert. In diesem Bündnis sind neben den 130 Mitglieder auch die vier Kirchen mit ihren Räten und Synoden in Baden-Württemberg schon viele Jahre mit dabei und arbeiten in einer ökumenischen AG Rüstungskonversion und Kleinwaffenexportverbot eng zusammen. 

Am 18. + 19. Februar 2027 planen die Kirchen in Baden Württemberg eine Tagung in Straßburg, um die EU - Themen zu Rüstungsproduktion und -exporte zu diskutieren.

„Deutsche Waffen in alle Welt“ wird auch beim Katholikentag am 15. Mai 2026 um 14.00 Uhr in Würzburg mit Vertretern der Politik in einer kreativen Form diskutiert. Es soll um eine erste Bilanz der neuen Regierung unter Friedrich Merz gehen.